Halten Ameisen Winterschlaf? Diese Frage stellen sich viele Gartenbesitzer im Herbst, wenn die Aktivität an Nestern und Wegen plötzlich nachlässt und die Tiere wie vom Erdboden verschluckt scheinen. Die kurze Antwort lautet: Nein, Ameisen halten keinen echten Winterschlaf. Was tatsächlich in einer Ameisenkolonie zwischen Oktober und März passiert, ist aber deutlich komplexer als einfaches Schlafen oder Erstarren, und für Gärtner aus gutem Grund interessant.
Das Verhalten der Kolonie im Winter bestimmt, wie stark sie im Frühjahr zurückkommt, ob sie ihre Nester ausdehnt und ob sie zu einem Problem für Gewächshaus, Hochbeet oder Obstbaum wird. Wer versteht, was Ameisen in der kalten Jahreszeit tun, kann gezielter einschätzen, wann Gegenmaßnahmen sinnvoll sind und wann man getrost abwarten kann. Der Unterschied zwischen Winterschlaf, Winterstarre und Kältelethargie ist dabei entscheidend.
Winterschlaf, Winterstarre, Kältelethargie: Was ist der Unterschied?
Echter Winterschlaf, wie ihn Igel oder Fledermäuse halten, bedeutet stark abgesenkter Herzschlag, Atemfrequenz und Körpertemperatur sowie Abbau von Körperfett als Energiereserve. Das ist bei Ameisen nicht der Fall. Sie sind wechselwarme Tiere, deren Körpertemperatur der Umgebungstemperatur folgt. Sinkt es kalt genug, werden sie schlicht zu langsam, um sich zu bewegen.
Diesen Zustand nennt man Kältelethargie: kein aktiver Schlaf, sondern eine temperaturbedingte Verlangsamung aller Körperfunktionen. Bei Temperaturen unter etwa 10 °C stellen die meisten mitteleuropäischen Ameisenarten ihre Außenaktivität ein; unter 5 °C versinkt die gesamte Kolonie in nahezu vollständige Bewegungslosigkeit. Sobald es wärmer wird, manchmal schon bei einem milden Januartag mit 12 °C, sind die ersten Arbeiterinnen wieder im Eingang des Nests zu sehen.
Was passiert im Nest, während es draußen friert?
Die Kolonie zieht sich in die tiefsten, frostsichersten Kammern des Nests zurück. Die Königin hört auf, Eier zu legen; die Brut aus dem Herbst wurde bereits als fertige Arbeiterinnen geschlüpft oder ist nicht mehr vorhanden. Die Arbeiterinnen bilden dichte Trauben um die Königin, um Wärme zu halten, nicht durch aktive Wärmeproduktion wie bei Bienen, sondern durch gegenseitigen Körperkontakt, der den Wärmeverlust verlangsamt.
Energiereserven spielen dabei eine wichtige Rolle. Gut versorgte Kolonien gehen mit vollen Fettkörpern in den Winter und kommen entsprechend stärker heraus. Das erklärt, warum Ameisenvölker in Gärten mit Blattlauspopulationen oft deutlich üppiger überwintern als solche in kargen Umgebungen: Sie haben im Sommer und Herbst durch Honigtau und eiweißreiche Beutetiere mehr Reserven aufgebaut.
Nicht alle Ameisen überwintern gleich: So unterscheiden sich die häufigsten Gartenarten
| ✅ Vorteile | ❌ Nachteile |
|---|---|
| Schwarze Wegameise (Lasius niger): zieht sich tief ins Erdnest zurück, kaum Aktivität unter 8 °C, kommt früh im März wieder | Rote Waldameise (Formica rufa): überwintert in großen Nestern, kann bei milder Witterung auch im Winter kurz aktiv werden |
| Gelbe Wiesenameise (Lasius flavus): lebt fast ausschließlich unterirdisch, Winterrückzug kaum sichtbar | Pharaoameise (Monomorium pharaonis): Tropischer Ursprung, braucht dauerhaft über 18 °C, überwintert nur in geheizten Gebäuden und Gewächshäusern ohne Winterpause |
Warum der Winter der beste Zeitpunkt für Bekämpfungsmaßnahmen ist
Viele Gärtner bekämpfen Ameisen, wenn die Aktivität am höchsten ist, also im Sommer. Das ist verständlich, aber nicht unbedingt der wirksamste Zeitpunkt. Im Sommer ist die Kolonie auf dem Höhepunkt ihrer Größe, Arbeiterinnen werden schnell ersetzt, und Köder werden zwar aufgenommen, aber durch die schiere Masse der Tiere oft nicht effektiv zur Königin getragen.
Im Herbst und frühen Winter hingegen ist die Kolonie kleiner, Arbeiterinnen sind weniger, und die Königin sitzt bereits in der zentralen Wintertraube. Köder, die jetzt platziert werden, haben eine bessere Chance, bis zur Königin zu gelangen, weil der Weg kürzer und die Konkurrenz geringer ist. Das Zeitfenster ist eng: Ab etwa Oktober bis in den November hinein sind die letzten Arbeiterinnen noch aktiv genug, um Köder aufzunehmen, die Kolonie aber schon klein genug, dass jede Unterbrechung der Versorgungskette ins Gewicht fällt.
- Nestposition markierenIm Sommer oder Herbst aktive Nester markieren. Im Winter sind die Eingänge oft verschlossen oder überwachsen; wer die Position kennt, kann gezielt handeln.
- Köder im Oktober auslegenGelköder an Nestingängen platzieren, solange noch Arbeiterinnen aktiv sind. Auf Witterungsschutz achten: Köder unter eine kleine Abdeckung legen, damit Regen sie nicht sofort auswäscht.
- Nest im Frühjahr kontrollierenAb März kontrollieren, ob die Kolonie wieder aktiv ist. Wenn ja, frühzeitig mit Nematoden oder weiteren Ködern nacharbeiten, bevor die erste Sommergeneration schlüpft.
Was Ameisen im Winter über den Garten verraten, den man sich sonst erst im Sommer erarbeitet
Hier steckt eine Beobachtung, die kaum jemand aufschreibt, aber in der Praxis nützlich ist: Die Lage der Ameisenkolonien im Winter zeigt genau, wo im Garten die wärmsten, trockensten und frostsichersten Stellen sind. Ameisen sind darin präzise, denn sie bauen ihre Winterkammern immer dort, wo der Frost am spätesten eindringt und die Bodentemperatur am stabilsten bleibt. Das sind oft Südostlagen, Bereiche unter großen Steinen oder Platten, die Wärme speichern, Bereiche in der Nähe von Hauswänden oder Komposthaufen, die selbst Wärme abgeben.
Wer im Herbst die Nestpositionen kartiert, hat damit gleichzeitig eine Karte der Wärmepole seines Gartens. Diese Stellen sind oft auch interessant für Frühbeete, frostempfindliche Zwiebeln oder für das Anlegen von Hochbeeten, da der Boden dort früher auftaut. Was als lästige Schädlingskontrolle beginnt, wird so zu einer kleinen Standortanalyse, die über Ameisen weit hinausgeht. Wer im Frühjahr die Nester findet, weiß, wo sein Garten am schnellsten aus dem Winter kommt.
Wer wissen möchte, wie man Ameisen im Gewächshaus das ganze Jahr über in Schach hält, findet dazu ausführliche Informationen im Beitrag Ameisen im Gewächshaus bekämpfen: Was wirklich hilft. Biologische Bekämpfungsstrategien für andere Schädlinge erklärt Schlupfwespen gegen Buchsbaumzünsler: So funktioniert biologische Schädlingsbekämpfung.
Häufige Fragen
– Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt. –
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